Gutes Jahr - trotz Corona und der ein oder anderen Baustelle
Geschrieben am 19.03.2021

Harmonieren fachlich und menschlich sehr gut: Vorstand Georg Forchmann (Mitte) und das Geschäftsleiterteam mit (v.li.) Michaela Harnge (Bereich Arbeit), Beate Blumenstein (WEADI), Jürgen Scharf (Verwaltung) und Martin Hofmockel (Bereich Wohnen). Foto: Winter

Herr Forchmann, Sie sind seit gut einem Jahr alleiniger Vorstand der Werraland Lebenswelten. Rückblickend, wie empfanden Sie Ihren Einstieg und den Beginn der Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern bei Werraland?

Georg Forchmann: Ich hatte es mir komplizierter vorgestellt. Es war ein sehr guter Übergang, verbunden mit einer kollegialen Einarbeitung durch meinen Vorgänger, Herrn Hoßbach. Als großen Vorteil empfinde ich rückblickend, dass ich zu Beginn alle Bereiche inklusive der Mitarbeitenden gesehen habe und kennenlernen durfte. Für die schnelle, sympathische Aufnahme ohne jegliche Vorbehalte kann ich mich nur von ganzem Herzen bedanken.

 

Die Corona-Pandemie hat auch bei den Werraland Lebenswelten einiges durcheinander gewirbelt. Wie kommt das Unternehmen bisher durch diese ungewohnte und herausfordernde Zeit?

Georg Forchmann: Wirtschaftlich kommen wir bisher recht gut durch die Pandemie, da unsere Leistungen größtenteils weiter finanziert werden. Diesbezüglich haben wir Glück in Hessen. Der Landeswohlfahrtsverband als übergeordneter Kostenträger ist ein großer Vorteil gegenüber dem kommunalen System in anderen Bundesländern. Dort ist die jeweilige Stadt oder der Landkreis Kostenträger, die bedingt durch ihre eigenen klammen Kassen dann Leistungen kürzen – besonders jetzt in einer solchen Krise.

Dank unseres guten Portfolios hatten wir aber auch nur geringe Produktionsausfälle zu verzeichnen. Die Bearbeitung der Aufträge in der Werkstatt mit der teilweisen Verlagerung in die Wohnstätten lief reibungslos weiter. Dies ist natürlich auch ein Verdienst unserer engagierten Mitarbeiter. Auch die Bewohner und Klienten tragen die Vorschriften und Einschnitte seit Beginn der Pandemie vorbildlich mit.

 

Mit dem Hotel und Panorama-Restaurant Kochsberg und dem Bistro amélie gehören zwei gastronomische Einrichtungen zu den Werraland Lebenswelten, die aufgrund politischer Vorgaben mehrmals geschlossen werden mussten. Wie sind Sie damit bisher umgegangen, wie kompensieren sie die finanziellen Einbußen und erhalten die zwei Betriebe finanzielle Unterstützung aus den Hilfefonds, die die Bundesregierung initiiert hat?

Georg Forchmann: Die mehrfachen Lockdowns machen uns schwer zu schaffen. Da geht es uns nicht anders als der gesamten Branche. Viele Mitarbeiter unserer gastronomischen Bereiche, besonders des Hotels und Panorama-Restaurants Kochsberg, mussten in Kurzarbeit und sind dies teilweise immer noch.

Unser Hotel hat für Geschäftskunden geöffnet, was aus finanzieller Sicht aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Wir machen keinen Hehl daraus, dass Kochsberg von massiven Einschnitten betroffen und der Ausgang, wie es weitergeht, völlig offen ist. Ein Grund dafür ist, dass die Corona-Hilfen nur schleppend fließen und nur anteilig gezahlt werden. Auch unsere sehr umfassenden Versicherungspakete helfen nicht groß weiter, da sie nur anteilig für die immensen Ausfälle eintreten.

Um es auf den Punkt zu bringen: Die Einnahmen die wir durch die angeordneten Schließungen verloren haben, holen wir nicht wieder rein. Denn selbst, wenn wieder Normalbetrieb herrscht, isst der Gast nicht plötzlich zwei Schnitzel.

Hoffnung macht uns unsere Großküche und das Bistro amélie. Auch hier sind zwar komplette Einnahmebereiche, beispielsweise der Catering-Service, weggebrochen, aber wir sind zum Glück breit aufgestellt. Unser Abholservice des Bistros amélie, das wunderbare, abwechslungsreise Mittagsgerichte anbietet, läuft gut. Und auch unsere neue Foodbox, die dank tollem Konzept Zuhause speisen wie im Restaurant ermöglicht, wird prima angenommen.

 

Bei den Werraland Lebenswelten arbeiten insgesamt rund 850 Menschen, von denen viele aufgrund ihrer Beeinträchtigungen zu den sogenannten Risikogruppen gehören. Wie sahen und sehen die Maßnahmen aus, um die Mitarbeiter vor einer Corona-Infektion am Arbeitsplatz zu schützen?

Georg Forchmann: Wir haben schon sehr früh schlüssige Konzepte für unsere Bereiche ausgearbeitet. Beispielsweise haben wir in der Werkstatt eine strikte Trennung der Arbeitsgruppen vorgenommen und zusätzliche, vorher anders genutzte, Räume für die Produktion frei gemacht. Auch das Mittagessen im Speisesaal haben wir entzerrt. Dort haben vor Corona über 100 Mitarbeiter gleichzeitig gegessen, aktuell sind es nach Arbeitsgruppen getrennt 20 Mitarbeiter.

In anderen Bereichen haben wir Wochendienste für die Mitarbeiter eingeführt, damit die Kontakte unter den Kollegen minimiert werden. Außerdem haben wir zeitig damit begonnen auf mobiles Arbeiten zu setzen und die in Frage kommenden Kollegen mit der notwendigen Technik ausgestattet.

Dank unserer vorausschauenden Planung haben wir auch sehr früh die Beschaffung von Mund- und Nasenschutzmasken umgesetzt. In Relation haben wir dadurch die jetzt vorgeschriebenen FFP2- oder KN95-Masken sehr günstig eingekauft.

Letztendlich steht und fällt aber jedes Hygiene- und Abstandskonzept mit der Disziplin der Mitarbeiter. Wir sind glücklich, dass sowohl Mitarbeiter als auch Bewohner und Klienten unserer ambulanten Angebote so super mitziehen.

Natürlich ging der Virus auch an uns nicht komplett vorbei, aber bei der großen Anzahl an Mitarbeitern hatten wir bisher nur sehr wenige positive Fälle.

 

Ein neuer Vorstand bringt meistens auch neue Ideen mit: Welche Vorhaben/Projekte stehen ganz oben auf ihrer Agenda, wo sehen Sie Defizite und Steigerungspotential?

Georg Forchmann: Man muss leider sagen, dass einige Bereiche schlecht aufgestellt waren und wir tiefgreifende Veränderungen vornehmen mussten. Dazu zählen die Schließungen des Margaretenladens in Witzenhausen und des Brennholzdepots in Eschwege. Auch die Situation unseres Hotels Kochsberg war schon vor der Corona-Pandemie alles andere als rosig. Die Lockdowns haben die Lage nur noch verschärft. Wir tun alles, damit es weitergeht. Wir arbeiten intensiv an möglichen Konzepten, um das Haus auf gesunde Füße zu stellen. Ob dies gelingt, bleibt abzuwarten, das können wir nicht vorhersagen.

Jetzt aber zu den positiven Dingen: Der Weg ist geebnet für unser inklusives Wohn- und Sportangebot im ehemaligen Sportinternat in Bad Sooden-Allendorf. Dank hervorragender Kooperation mit dem Förderkreis des Sportinternats und den Verantwortlichen der Stadtverwaltung können wir als Betreiber dieses herausragende Projekt angehen.

Ebenfalls in Bad Sooden-Allendorf entsteht unsere neue Wohnstätte. Der Spatenstich erfolgt demnächst, wir sind zuversichtlich, dass im Frühjahr 2023 die Bewohner die moderne, barrierefreie Wohnform beziehen können.

Seit Januar sind wir darüber hinaus auch Eigentümer der WaschBar in Eschwege. Damit haben wir uns in diesem Unternehmenssegment sinnvoll vergrößert. Neben unserer Wäscherei am Hessenring, die vornehmlich für Gewerbekunden ein breites Dienstleistungsangebot vorhält, können wir mit der WaschBar nun auch Privatpersonen vielfältige Angebote zur Reinigung ihrer Textilien unterbreiten.

Besonders wichtig war uns bei allen wirtschaftlichen Überlegungen, dass wir mit der WaschBar auch neue Arbeitsplätze für beeinträchtigte Menschen realisieren konnten.

 

Herr Forchmann, Sie sind mit 30 Jahren ein sehr junger Vorstand. Wie gehen Sie damit um, zumeist mit wesentlich älteren Kollegen zusammenzuarbeiten?

Georg Forchmann: Ich hatte bezüglich meines Alters keine großen Bedenken, aber so gut, wie ich aufgenommen wurde und wie es seitdem läuft, habe ich es mir auch nicht vorgestellt. Allerdings bin ich ja auch kein Neuling, sondern verfügte bereits über mehrjährige Führungserfahrung in der Eingliederungshilfe. Dazu kommt, dass wir bei Werraland ein sehr gut harmonierendes Geschäftsleitungsteam haben, in dem Alter keine Rolle spielt. Wir ergänzen uns einfach gut, menschlich als auch fachlich.

Und bedingt durch unsere Nachwuchsführungsausbildung mit externer Spezialistin auf diesem Gebiet, haben wir einige junge Kollegen in Führungspositionen.

Ich denke, wir haben einen guten Altersmix. Ausschlaggebend ist aber nicht das Alter, sondern eine hohe Fach- und Sozialkompetenz.

 

Werraland hat in der näheren Vergangenheit und aktuell einige Stellen neu zu besetzen. Wie sieht die Personalsituation insgesamt aus?

Georg Forchmann: Ja, das stimmt. Allerdings hat dies mehrere Gründe. Wir sind insgesamt, nach einigen personellen Veränderungen an zentralen Stellen, sehr gut aufgestellt und haben gute Neueinstellungen getätigt. Einige Kollegen erreichen demnächst das Rentenalter, da sind wir bereits frühzeitig auf der Suche nach Nachfolgern.

Richtig ist, dass wir immer auf der Suche nach guten Heilerziehungspflegern und Erziehern sind, um unser hohes fachliches Niveau zu halten.

Ich bin überzeugt, dass wir ein attraktiver Arbeitgeber sind, der im regionalen Vergleich seinen Mitarbeitern viel zu bieten hat. Nehmen wir nur die betriebliche Krankenversicherung, die komplett der Arbeitgeber finanziert. Oder auch die betriebliche Altersvorsorge, die eine lukrative Zusatzrente garantiert. Tarifvertrag, attraktive Zusatzleistungen und krisensichere Arbeitsplätze: Wir haben sehr gute Argumente, die für Werraland als attraktivem Arbeitgeber sprechen.

 

Abschließend, Herr Forchmann, eine Prognose: Wo sehen Sie die Werraland Lebenswelten samt Töchterfirmen in fünf Jahren?

Georg Forchmann: Wir wollen wirtschaftlich gut aufgestellt sein, dazu gehört die Schieflage in dem einen oder anderen Bereich zu korrigieren. Weiterhin werden wir unsere hohe Fachkompetenz erhalten und ausbauen, denn diese hat uns von anderen stets unterschieden.

Sehr gutes Personal bedeutet sehr gute personenzentrierte Angebote für die uns anvertrauten Menschen. Wir möchten unseren Klienten noch mehr Vielfalt bieten, ein Mehr an passgenauen Leistungen für jeden Einzelnen. Dazu gehört unter anderem, unsere ambulanten Angebote weiter auszubauen.

 

Herr Forchmann, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

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